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Small Fiber Neuropathie bei Long COVID – Eine unterschätzte Komplikation

  • niploog9
  • 29. Juni 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 16. Juli 2025

Nach einer überstandenen COVID-19-Erkrankung berichten viele Menschen über

anhaltende Beschwerden wie Missempfindungen, Brennen der Haut, Schmerzen

oder Kreislaufprobleme. Hinter diesen Symptomen kann sich eine sogenannte Small

Fiber Neuropathie (SFN) verbergen – eine Schädigung der kleinen Nervenfasern, die

zunehmend als Folge von Long COVID erkannt wird.


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Was ist eine Small Fiber Neuropathie?

Die Small Fiber Neuropathie betrifft die dünn myelinisierten Aδ- und unmyelinisierten

C-Fasern des peripheren Nervensystems. Diese Nervenfasern sind verantwortlich für

die Weiterleitung von Schmerz- und Temperaturempfindungen sowie für die

Regulation vegetativer Funktionen wie Herzfrequenz, Verdauung oder Blutdruck.

Bei einer Schädigung dieser Fasern kommt es zu typischen Beschwerden wie

brennenden Schmerzen, Missempfindungen, Temperaturempfindlichkeit oder

Symptomen einer autonomen Dysfunktion.


Zusammenhang mit Long COVID

Seit dem Auftreten des Post-COVID-Syndroms ist die Small Fiber Neuropathie in den

Fokus der Forschung gerückt. Studien zeigen, dass ein signifikanter Anteil der

Betroffenen – insbesondere diejenigen mit neurologischen Symptomen – Zeichen

einer SFN aufweisen. Die Ursachen sind noch nicht abschließend geklärt, es gibt

jedoch mehrere Hypothesen:

  • Immunvermittelte Prozesse: SARS-CoV-2 kann Autoimmunreaktionen auslösen, bei denen körpereigene Nervenstrukturen angegriffen werden.

  • Entzündliche Mechanismen: Chronisch erhöhte Entzündungswerte (z. B.

    Zytokine wie IL-6 oder TNF-α) können neurotoxisch wirken.

  • Vaskuläre Schädigungen: Eine Beeinträchtigung der Mikrozirkulation kann zur

    Unterversorgung kleiner Nerven führen.


Diese Prozesse können sowohl direkt durch das Virus als auch indirekt durch die

Immunantwort ausgelöst werden.


Typische Symptome

Zu den häufigsten Beschwerden, die auf eine Small Fiber Neuropathie im Rahmen

von Long COVID hinweisen, gehören:

  • Brennende oder stechende Schmerzen, insbesondere in Füßen, Händen oder

    Gesicht

  • Kribbeln, Taubheitsgefühle, Sensibilitätsstörungen

  • Kälte- oder Wärmeintoleranz

  • Herzrasen, Schwindel beim Aufstehen, Blutdruckschwankungen

  • Verdauungsbeschwerden, gestörte Schweißregulation


Diese Symptome treten oft einige Wochen bis Monate nach der akuten Infektion auf

und können persistieren oder wellenartig verlaufen.


Diagnostik

Da kleine Nervenfasern in der Standard-Nervenleitgeschwindigkeitsmessung nicht

erfasst werden, ist eine gezielte Diagnostik erforderlich:

  • Hautbiopsie: Goldstandard zur Messung der intraepidermalen

    Nervenfaserdichte. Eine reduzierte Faserdichte spricht für SFN.

  • Quantitative sensorische Testung (QST): Erfassung von Reizschwellen für

    Wärme, Kälte und Schmerz.

  • Autonome Funktionstests: Bei Verdacht auf autonome Beteiligung kommen

    Herzfrequenz- und Schweißtests oder der Kipptisch-Test zum Einsatz.

  • Labordiagnostik: Ausschluss anderer Ursachen wie Diabetes mellitus,

    Vitamin-B12-Mangel, Autoimmunerkrankungen oder Infektionen.


Eine interdisziplinäre Abklärung – beispielsweise durch Neurologie, Schmerzmedizin

oder Immunologie – ist empfehlenswert.


Behandlung

Aktuell stehen symptomatische und unterstützende Maßnahmen im Vordergrund. Die

Behandlung erfolgt individuell und richtet sich nach den dominierenden

Beschwerden.

  • Medikamentöse Schmerztherapie: Einsatz von Pregabalin, Gabapentin,

    Duloxetin oder Amitriptylin

  • Therapie der autonomen Dysfunktion: Maßnahmen zur

    Kreislaufstabilisierung, Flüssigkeitszufuhr, ggf. Medikation bei POTS

  • Immunmodulation: In ausgewählten Fällen Einsatz von Immunglobulinen

    oder Immunsuppressiva (nur in spezialisierten Zentren)

  • Rehabilitation: Physio- und Ergotherapie


Ein strukturierter Therapieplan unter Einbeziehung mehrerer Fachrichtungen ist

sinnvoll und kann die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.


Fazit

Der Verlauf der Small Fiber Neuropathie bei Long COVID ist heterogen. Einige

Betroffene erleben über Monate eine Besserung, andere berichten über

persistierende oder sogar progrediente Beschwerden. Eine frühe Diagnose und

gezielte Behandlung sind entscheidend, um Chronifizierungen zu vermeiden.


Die Small Fiber Neuropathie stellt eine relevante neurologische Komplikation bei

Long COVID dar, die bislang häufig übersehen wird. Bei anhaltenden

neuropathischen Beschwerden nach einer SARS-CoV-2-Infektion sollte frühzeitig an

diese Diagnose gedacht und eine weiterführende Abklärung eingeleitet werden.

Durch gezielte Diagnostik und individuelle Therapie lassen sich Beschwerden lindern

und die Lebensqualität verbessern.

 
 
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